"Made in Katharied"
Handdrucke, die Geschichte haben. Wie die Katharieder
Bauernhanddrucke entstanden - das ist zu schön, um nicht erzählt
zu werden:
Als der oberpfälzische
Landwirt Schleyerbach sein altes Bauernhaus umbaute, suchte er lange, lange
nach genau jenen Vorhängen, die seine Phantasie schon längst
an die Stubenfenster gezaubert hatte. Alles gab es. Nur was er
suchte, war im damals handelsüblichen
Angebot, zumindest in diesem bayerischen Landstrich und auch in München
und Nürnberg, nicht zu finden. Schleyerbach und seine Familie aber
wollten keine Kompromisse machen. Sie wollten ihr Haus ganz so eingerichtet
sehen,
wie es ihrem Geschmack entsprach. Und dazu gehörte auch, daß es
exakt jene Vorhänge sein mußten, die ihr individueller Stil
ihnen vorschrieb und die von ihrer Vorstellungskraft so richtig entworfen
worden
waren.
Als lange
genug ergebnislos gesucht worden war, sprach der Hausherr - oder vielleicht
war es auch die Hausfrau - gelassen: "Wenn wir haben wollen, was wir wollen,
müssen
wir es uns selber machen! Grobes Leinen nach Bauernart wurde besorgt, Druckschablonen
wurden gefertigt, und eines Tages hingen Schleyerbachs "Traumvorhänge" -
made in Katharied - an Schleyerbachs Fenstern. Damit könnte die Geschichte
zu Ende sein.
In Wirklichkeit aber fängt sie hier erst an. Es dauerte nicht
lange, und immer mehr Freunde und Nachbarn und deren Freunde und
Nachbarn kamen, begeisterten
sich und erklärten fest: Das wollen wir auch haben. Zuerst druckten
die Schleyerbachs aus reiner Gefälligkeit. Aber mit der Zeit wurde
eine richtige Produktion daraus, die bis heute neben der Landwirtschaft
betrieben wird.
Wie
es auch längst dessignleiche, aber auch eigenständig gemusterte
Tischdecken und Sets dieser Art gibt. Neue Muster kamen hinzu, neben
Leinen wurde auch Halbleinen
benutzt, zum Handdruck kam die Technik des Siebdrucks, und eines Tages
gingen die Schleyerbachs - das war im Frühjahr 1972 - mit den Produkten
ihres "Katharieder
Bauernhanddrucks" auf die Frankfurter Messe. Schon der Name "Katharieder
Bauernhanddruck" klingt ebenso gut wie vielversprechend.
Weitere Dessings sind entwickelt worden. Einige halten sich an alte Vorbilder bäuerlichen Kunsthandwerks;
andere sind "eigenes Gewächs", die wohl den besonderen bäuerlichen
Stil und selbstverständlich den Handdruckcharakter pflegen, aber
beweisen, daß Komposition
und Zeichnung trotzdem nicht altväterisch zu sein brauchen.
Natürlich sind die "Katharieder" keine Allerweltsstoffe, die sich nach Kilometern
verkaufen lassen. Aber so mancher alte Kotten, manches Reetdachhaus in der Heide
oder Bauernhaus im Bayerischen Wald fand in den letzten Jahren oder findet zur
Zeit einen neuen Besitzer. Der macht das alte Haus zwar wieder neu im Sinne zivilisatorischer
Errungenschaften. Aber an seinen Fenstern gefällt auch ihm Bäuerlich-Bodenständiges.
Für solche gewordenen wie manche alte Bauernhausbesitzer könnten die
Schleyerbachschen Handdrucke wie gerufen kommen. Man sollte sie sich jedenfalls
mal ansehen, und deshalb haben wir auch einige für unsere Leser fotografiert.
Elisabeth v. Sicard
(Sonderdruck aus HEIMTEX - Fachzeitschrift
für die gesamte Innenraumausstattung,
Westdeutsche Verlagsanstalt GmbH., 4900 Herford).
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